Willkommen auf meinem Blog!

Es ist kein Geheimnis: Ich liebe es, zu schreiben und ich liebe es, draußen zu sein. In Feld, Wald und Garten gibt es so viel zu entdecken. In einer Rezension zu meinem ersten Kinderbuch "Alte Geheimnisse und andere Geschichten vom Lande" stand:

"Mit viel Begeisterung für die Natur und viel Liebe für das Detail beobachtet Sybille Tetsch ... die kleinen, leisen und unscheinbaren Dinge, die sich im Wandel der Jahreszeiten in einem Garten am Dorfrand abspielen."

 

Ja, es sind die kleinen und leisen Dinge, die mich faszinieren. Warum? Ich glaube, weil es die Dinge sind, die nichts kosten, die wir jeden Tag haben können, um uns daran zu erfreuen und die wir doch viel zu oft mit Füßen treten.

Entdeckt diese Dinge für Euch, lernt, sie wieder neu zu sehen und zeigt sie Euren Kindern, denn nur was man liebt, das achtet und bewahrt man.

 

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Stöbern auf dieser Seite!


Gartengeschichten oder Garten und Geschichten

Heute habe ich einen Tipp für ein zauberhaftes Weihnachtsgeschenk.

 

Der kleine Rucksack hat die Maße 17 x 18 x 8 cm.

Er ist aus doppelt wattierter Bio-Baumwolle genäht und in drei Farben: rot-, blau- und hell-grün-kariert erhältlich.

Durch verstellbare Träger kann er zum mitwachsenden Begleiter werden. Außerdem hat er eine eingenähte kleine Innentasche und wird über einen Klettverschluß geschlossen. Ent-standen ist er in der Nähstube eines Lausitzer Dorfes und wurde exklusiv für uns hergestellt. Einziger Wermutstropfen: Der Elefant kann nicht mitbestellt werden. Dafür kann aber jeder sein eigenes Kuscheltier mit auf Reisen nehmen.

 

Zu bestellen ist der Rucksack auf dieser Seite unter Kontakt. Er kostet 39,50 Euro.

 

Proschim, den 26. November 2020

"Immer weiter gingen die Erkundungsflüge der vier Freunde. Vergebens waren die Ermahnungen der Eltern.

„Flieg nicht so weit auf das Meer!“, sagten die Kräheneltern.

„Pass auf, dass du dich im Landesinneren nicht verirrst!“, ermahnten die Möweneltern.

„Warum musst du immer die sichere Stadt verlassen?“, wollten die Taubeneltern wissen.

„Dass du dir blos nicht den Magen verdirbst, bei all den fremden Speisen“, waren die Spatzeneltern besorgt.

Doch all die Ermahnungen, Klagen und Sorgen verklangen fast ungehört. Die vier so verschie-denen Freunde lebten nach dem Motto: Wenn man einen Freund hat, bekommt man zu seiner Welt auch noch die des anderen geschenkt. Aber wir, wir sind sogar zu viert!

Vier Freunde, deren Welt größer und bunter und wunderbarer war, als wenn jeder unter seinesgleichen geblieben wäre."

 

So liest sich das Ende meines nächsten Buches. Ja, manchmal fange ich mit dem Ende an... Aber bis dahin bestehen die vier Freunde so manches Abenteuer. Seid gespannt!

Diesmal zeichne ich die Bilder zu den Geschichten auch selbst. Der Anfang ist gemacht!

 

Proschim, den 15. November 2020

 

 

Zeit für eine neue Geschichte? Auf geht`s:

 

 

Alte Geheimnisse

 

Es ist jetzt viele, viele Jahre her, da stand an eine alte Scheune gelehnt ein mächtiger Holunderbusch.

Im Winter, wenn der kalte Ostwind den Menschen die Tränen in die Augen trieb, sah er sehr hässlich aus: Seine krummen und rissigen Äste schienen so morsch, dass es aussah, als würden sie jeden Moment zu Boden stürzen. Schwarze Pusteln bedeckten die Rinde und niemand würdigte ihn eines Blickes.

Nun ist es aber so, dass der Winter nicht ewig dauert und kaum begann das Frühjahr, erwachte ein kleiner Geist, der im Holunder wohnte, aus seinem Winterschlaf. Wie sah er aus? Nun ja, genau kann ich es nicht mehr sagen, dazu ist das alles schon zu lange her. Auf jeden Fall hatte er graue Augen, eine kleine gerade Nase und er trug manchmal eine Mütze. Und er trug sie so, dass seine Ohren gerade noch unter dem Mützenrand hervorschauten.

Er wohnte noch nicht lange in dem Holunderbusch oder überhaupt auf der Erde. Kleine Geister sind viel unterwegs; mal hier, mal dort treiben sie Unfug und Schabernack bis sie alt genug sind, eine Aufgabe zu übernehmen.

Irgendwann bekommt jeder Geist in seinem Leben einmal Post. Manche Briefe sind in Sternen versteckt und wenn sie zugestellt werden, kann man das am Sternenschweif, der über den Himmel flitzt, sehen. Andere Briefe stecken in Wassertropfen, die ihrem Empfänger geradewegs auf die Nase fallen und wieder andere werden mit Blättern von Bäumen geweht.

Unserem kleinen Geist schwebte seine Post ans Schirmchen einer Pusteblume geknotet genau in den Schoß, als er überlegte, wie er den dicken graugestreiften Kater erschrecken könnte, der faul in der Sonne lag.

Sofort war der Kater vergessen. Neugierig öffnete er den Knoten und augenblicklich entrollte sich ein helles Blatt Papier.

Der Brief sah wunderschön aus, denn die Buchstaben schienen aus tausenden kleinen Blütensternchen des Holunders zusammengesetzt zu sein. Das war seltsam, hatte er doch gestern noch, als er durch das hohe Fenster schaute, die geraden Striche gesehen, mit denen die Kinder in der Dorfschule ihre Buchstaben an die Tafel malten.

Mühsam begann er die einzelnen Buchstaben zu entziffern; ach hätte er nur besser aufgepasst, als man es ihm erklärte. Endlich hatte er die einzelnen Buchstaben zu Worten zusammengesetzt und dann las er laut:

 

Es wohnt im Holunder die heilende Kraft,

die kranke Menschen gesund wieder macht.

Hilf' zu erhalten die alte Kunde,

trage sie weiter von Mund zu Munde!

 

Obwohl er die Worte mehrmals gelesen hatte konnte er sich keinen Reim darauf machen, und so zuckte er mit den Schultern und steckte das Stück Papier in seine Hosentasche. Was soll`s. Dafür war später noch Zeit.

Er sah sich um und entdeckte den immer noch faul in der Sonne dösenden Kater. Ganz langsam schlich er an ihn heran und zog ihn mit einem Ruck am Schwanz direkt aus seinen Träumen. Mit einem Sprung war der Kater auf allen seinen vier Pfoten, sauste über den Hof, sprang mit einem Satz auf das kleine Vordach und war sofort hinter der Tür mit dem Loch für die Katzen verschwunden.

Der kleine Geist hielt sich vor Lachen den Bauch. So viel Beweglichkeit hätte er dem Dicken gar nicht zugetraut.

Sein Blick blieb an dem alten Türchen über dem Vordach des Schuppens hängen. Was mochte sich wohl dahinter verbergen? Neugierig geworden kletterte er auf das Vordach und zwängte sich durch das enge Loch in die Dunkelheit.

Zuerst war es so finster, dass er die Hand vor Augen nicht sehen konnte, doch dann tauchten schemenhafte Umrisse auf: Durch eine kleine Dachluke sickerte etwas Tageslicht. Als sich seine Augen an die Dämmerung gewöhnt hatten, sah er sich in dem mit Spinnweben verhangenem Bodenraum um.

Überall standen alte Möbel, die schon lange unter Tüchern schliefen, altmodisch aussehende Mäntel hingen auf Kleiderbügeln an verrosteten Haken, eine alte Schultüte lag lieblos hingeworfen in einer Ecke und verstaubte Kisten stapelten sich an den Wänden. Zwischen zwei Regalen entdeckte er eine alte Decke - vielleicht der Schlafplatz des Dicken.

Vorsichtig tastete sich der kleine Geist im Zwielicht vorwärts. Man konnte schließlich nicht wissen, ob der dicke Kater nicht irgendwo hier auf der Lauer lag, um diesmal ihn zu erschrecken. Zum Glück war weit und breit nicht die kleinste Schwanzspitze zu entdecken.

Was mochte wohl in all den Kisten stecken? Neugierig hob er den Deckel der ihm am nächsten stehenden Kiste und kleine Staubwolken wirbelten auf: „Oh!“ - Sie war voller Bücher. Der kleine Geist nahm eines heraus und schlug es auf. Ein feiner Geruch von Gedrucktem und Papier stieg ihm in die Nase.

Langsam ließ er sich neben der Kiste nieder und begann, ein Buch nach dem anderen in die Hand zu nehmen. Es mussten hunderte von Büchern sein, wenn alle Kisten gefüllt waren: Da gab es Rittergeschichten neben Kochbüchern, Gedichtbände und dicke Märchenbücher, Romane und Bildbände, die von fernen Ländern erzählten.

Nanu, was war denn das? Vom Deckel eines sehr alten Buches schaute ihm das freundliche Gesicht einer alten Frau entgegen, um das die weißen Blütendolden des Holunders abgebildet waren. Darunter stand in merkwürdig altertümlichen Buchstaben: „Holunder – der Baum der Frau Holle.“

Was hatte denn Frau Holle mit dem Holunder zu tun? Der kleine Geist zog die Decke direkt unter die Dachluke und begann in dem Buch zu blättern. Schon auf der ersten Seite erfuhr er, dass der Holunder früher als Baum einer guten Göttin, nämlich der Frau Holle, verehrt wurde. Sie war der gute Geist, der Menschen und Vieh beschützte.

Seite um Seite blätterte der kleine Geist um und so verging Stunde um Stunde. Draußen setzte bereits die Dämmerung ein und selbst unter der Dachluke konnte man bald nichts mehr erkennen und dann fielen dem kleinen Geist die Augen zu.

Am nächsten Morgen, als ihn die ersten Sonnenstrahlen an der Nase kitzelten, wachte er mit einem Niesen auf und wusste sofort, warum er das Buch der Frau Holle gefunden hatte.

Von nun an konnte man in der Mittagszeit Weckgläser auf zwei Beinen über den Hof laufen sehen. Aus der Waschküche hinter dem Haus lieh sich der kleine Geist ein paar Holzklammern und im alten Schuppen mit den Gartengeräten fand er eine Rolle fester Schnur, mit der im Frühjahr die Gartenbeete abgesteckt wurden.

Die Schnur spannte er zwischen die Äste des Holunders und mit den Klammern befestigte er die schweren Blütendolden so, dass sie, vor Sonnenlicht geschützt, lustig wie die Wäsche im Wind trocknen konnten.

So füllte er nach und nach die Weckgläser mit getrockneten Blüten und später dann mit Beeren. Er schabte Stücke der Rinde ab, sammelte Blätter, kochte Saft ein und zerkleinerte sogar Wurzelteile, um sie dann in seiner Holunder-Apotheke in aufgereihte Gläser gefüllt, immer zur Hand zu haben.

Der Sommer verging. Die ersten Herbstnächte waren schon empfindlich kühl geworden doch der kleiner Geist war es zufrieden. Er hatte die letzten Monate nicht untätig verbracht. Viele Rezepte aus seinem Holunderbuch hatte er ausprobiert und dabei gelernt, wie man Kopf-, Zahn- oder Ohrenschmerzen lindern konnte. Einmal, als es besonders heiß war, lag er bei einem Glas erfrischender Holunderblütenlimonade im Schatten des großen Walnussbaumes und betrachtete schläfrig, wie die Hühner im Garten nach Würmern kratzten. Ein bisschen Muße hatte er sich schon verdient.

 

Nun war also der Herbst gekommen und mit ihm die ersten Frühnebel.

Hauke fühlte sich heute überhaupt nicht wohl. Schon den ganzen Tag hatte er dieses Kratzen im Hals und verspürte jetzt nicht einmal Lust, mit Jasper und Finn zum Fußballspielen zu gehen.

Seine Mutter sagte ihm, er solle sich hinlegen. Sie wollte ihm später einen Tee bringen und war in der Küche verschwunden, in der schon der dicke, graugestreifte Kater auf sein Mittagessen wartete.

Wenn ich nur wüsste, wie Oma den Fliedertee gemacht hat...... Wir Kinder mussten bei Husten einen ganzen Becher davon trinken und uns dann zum Schwitzen ins Bett legen“, Haukes Mutter stand in der Küche und überlegte laut. Der kleine Geist, der beim Stichwort Fliedertee wie gebannt stehen geblieben war, schob langsam die Tür zur Küche auf und späte hinein. Er sah noch, wie Haukes Mutter den Mantel vom Haken nahm und sich aufmachte, ein Mittel gegen Husten aus der Apotheke zu holen.

So schnell er konnte sauste der kleine Geist über den Hof. Aus seinem Buch wusste er, dass Fliedertee nur ein anderer, aber wie er fand, schönerer Name für Holundertee war. Mit ein paar Handgriffen hatte er den Tee schnell zubereitet und war noch vor Haukes Mutter zurück im Zimmer des Jungen.

Ganz leise, um den schlafenden Hauke nicht zu wecken, stellte er das Glas mit dem dampfenden Tee auf seinen Nachttisch und schlich sich auf Zehenspitzen zur Tür.

Als Haukes Mutter aus dem Dorf zurück war, wunderte sie sich sehr. Hauke jedoch trank den Tee und schlief sich ganz schnell gesund.

Und so ist es seither geblieben: Immer wenn im Dorf irgendwo auch nur ein leises Husten ertönt, steht auf wundersame Weise ein dampfendes Glas frisch aufgebrühten Holundertees auf dem Nachttisch.

 

Die Geschichte stammt aus meinem 1. Kinderbuch: "Alte Geheimnisse und andere Geschichten vom Lande", das leider vergriffen ist. Die Illustrationen im Buch sind von Friederike Kohnke.

 

Proschim, den 12. November 2020

Auch wir müssen, wie alle Gastronomen, für vier Wochen schließen. Zeit, um kreativ zu sein!

Die Zeit der Pusteblumen ist ja eigentlich in diesem Jahr vorbei. Wirklich?

Alles, was Ihr braucht, um die Pusteblumensaison zu verlängern, ist Zeit, Draht, einen kleinen Styroporball und eine Zange. (Bild 1)

Für den Stiel der Schirmchen schneidet Ihr etwa 25 cm lange Stücke dicken Silberdrahtes zu. Das Schirmchen selbst besteht aus 0,37 x 170 mm Silberdraht verzinkt. Ich habe immer 24 dieser Drähte in der Mitte geknickt (Bild 2 und 3) und mit dem 25. zusammen gebunden (Bild 4). Ein wenig Geschick und Kraft benötigt man, um nun den Stiel an das Schirmchen zu winden (Bild 5). Nun nur noch die einzelnen Drähte auseinanderbiegen (Bild 6). Fertig ist das Schirmchen.

Ich habe die Styroporkugel, die einen Durchmesser von 5 cm hat, mit feinem Silberdraht umwickelt, sie dann mit Hilfe einer Heißklebepistole auf einem Eisenstab befestigt und die einzelnen Schirmchen, ebenfalls mit Hilfe der Heißklebepistole, in die Kugel gesteckt und befestigt.

Das Ergebnis kann sich doch sehen lassen, oder?

 

Proschim, den 05. November 2020

 

Wir haben seltsame Zeiten, die seltsame Worte hervorbringen. Im Moment gibt es einen LockDownLight. Für alle die, die jetzt zu Hause sind, weil die Kita geschlossen hat, oder weil sie einfach kleine Erzählungen mögen:

Hier eine Geschichte aus meinem 1. Kinderbuch: "Alte Geheimnisse und andere Geschichten vom Lande"

 

Winterschlaf

 

An einem Feldweg, direkt hinter Schmetterlingshausen, wuchs eine stolze Eiche. Sie war noch eine junge Eiche, denn sie zählte erst 54 Jahre. Das ist für Eichen gerade das Alter, in dem sie, wenn sie Menschen wären, zum ersten Schultag aufbrechen würden.

Diese Eiche nun hatte zwei Freunde, die schon viel in der Welt herumgekommen waren, wie es ihr schien. Der eine hieß Racko und war ein prächtiger Rabe mit pechschwarzem, glänzendem Gefieder und lustigen Augen, denen nichts entging. Er war etwas eitel und fand, er sei der schönste Rabe auf der ganzen Welt. Seine Frau Rabea lachte oft über ihn, aber im Grunde ihres Herzens wusste sie, dass sie niemals einen besseren Mann finden würde.

An einem windigen Abend im Spätherbst trug sich nun diese Begebenheit zu: Schon von weitem konnte die junge Eiche hören, dass sie bald Besuch bekommen würde. Der Wind trug ein lautes Krächzen zu ihr herüber und dann konnte sie Racko und Rabea auch schon sehen. Die beiden Raben spielten mit den Winden. Sie ließen sich von hoch oben fallen, stürzten senkrecht der Erde entgegen, um dann plötzlich die Flügel auszubreiten und sich empor tragen zu lassen.

Sie landeten auf den zwei äußersten Ästen der Eichenkrone und schaukelten übermütig, turnten und wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, dass Rabea sogar einen Umschwung um ihren Ast schaffte.

He, nicht so toll!“ klagte die kleine Eiche. „Ihr reißt mir ja jeden Ast einzeln ab. Der Sturm hat mich heute schon genug gezaust und geplagt.“ Sie klang etwas wehmütig und das wunderte die beiden Raben sehr, war sie doch sonst eine fröhliche Natur.

Warum so traurig?“, fragte Racko. „Wir wollten dir gerade das Neueste aus dem Dorf erzählen“, plapperte er weiter ohne auch nur auf eine Antwort auf seine Frage zu warten. „Stell dir vor“, sprach seine Frau, „die große Scheune hinter Lehmanns Kuhstall ist zusammengebrochen, hat wohl dem Sturm nicht mehr standgehalten. Sie haben gerade den grünen Trecker unter den Trümmern herausgezogen. Den kennst du doch! Lehmann braust doch hier immer vorbei, wenn er auf seinen Acker will.“

So, so...“, sagte die kleine Eiche nur.

Sogar Tom und Max hat das Getöse vom Stoppelfeld gelockt. Sie wollten gerade ihre neuen Drachen ausprobieren. Du kannst dich sicher noch an sie erinnern: Im Frühling war es Tom,der hoch in deine Krone geklettert ist, weil er dachte, er könnte eine Wolke einfangen. Max musste fast die Feuerwehr holen, weil sein Freund sich nicht mehr herunter traute. Aber gemeinsam haben sie es ja dann irgendwie geschafft“, lachte Rabea. „Und zu Hause gab es mächtig Ärger, weil Tom sich seine Hose zerrissen hatte. Niemand von den Erwachsenen konnte verstehen, was sie mit einer Wolke wollten. Und überhaupt, alle haben über die Idee nur gelacht. Sie mussten sich lange Vorträge darüber anhören, dass man Wolken nicht einfangen kann. Na ja, noch einmal haben sie es jedenfalls nicht mehr probiert.“

Ja, ja....“, sagte die kleine Eiche.

So ein stolzes Gebäude war die Scheune und so groß; mindestens 130 Rabenschritte lang. Vom Dach hatte man einen guten Überblick über den ganzen Hof. Vielleicht war sie ja einfach nur müde, die alte Scheune“, meinte Racko.

Мüde...“, seufzte die kleine Eiche.

Ja, ja niemand hat sich mehr richtig gekümmert; das Dach hatte schon lange ein großes Loch und die alte Schmiede wurde auch nicht mehr benutzt. Früher, ja früher, als der Vater vom alten Lehmann noch seine Spargelfelder mit den Pferden bearbeitete, da wurde das Schmiedefeuer oft angezündet. Kleine Teile für den Hof hat er noch selbst hergestellt und die Pferde mussten auch beschlagen werden. Hufnägel für die Eisen brauchte man, damit die Pferde nicht lahmten.“

Und es gab Heu als Futter für die Tiere; der ganze Dachboden lag voll“, ergänzte Rabea. „Als sie die Kühe abschafften, brauchte man sich nicht mehr um Futter zu kümmern und der Boden mit dem alten Heu war nur noch Schlafplatz für die dicke graugestreifte Katze. Außerdem soll es wunderbar geduftet haben, wenn Oma Lehmann die riesigen Kuchenbleche mit dem selbstgebackenen Hefekuchen zum Abkühlen auf den Heuboden stellte“, schwärmte sie weiter.

Opa Lehmann hat mit kleinen Reisigbunden den Backofen angeheizt und dann haben die Frauen den leckersten Pflaumenkuchen gebacken. Ob sie die Reisigbündchen wohl unter dem ganzen Schutt noch hervorholen wollen?“, schaute Rabea ihren Mann fragend an. „Ach, wozu denn das noch? Den alten Backofen hat doch auch schon seit Jahren niemand mehr benutzt. Jetzt kommt der Bäcker doch mit seinem neuen Auto ins Dorf gefahren und verkauft Brot und Kuchen“, Racko zuckte mit den Schultern.

Auf einmal schauten sich die Raben verwundert an. Warum sagte die kleine Eiche nichts? - Eingeschlafen war sie. Und sie würde den ganzen Winter über schlafen. Sie würde nicht merken, wenn der Schnee sich auf ihre Zweige legte. Erst im Frühling, wenn die Sonne wieder höher am Himmel stand, würde das Vogelgezwitscher sie wecken.

Schlaf gut!“, sagte Rabea und streichelte zärtlich mit der Flügelspitze über den Ast auf dem sie saß. „Träum schön! Und wenn du wieder aufwachst, sind wir da und erzählen dir das Neueste aus dem Dorf. Vielleicht wird ja im Frühling eine neue Scheune gebaut.“ „Wenn die kleine Eiche so alt wird wie ihre Großmutter, dann wird sie noch vieles mehr kommen und gehen sehen.“ Mit diesen Worten erhob sich Racko in die Luft um im Dorf nicht zu verpassen, wie es jetzt weiterging. Nach einem kurzen Zögern folgte Rabea ihm, nicht ohne noch einmal nach der kleinen Eiche gesehen zu haben.

 

(Leider ist das Buch vergriffen.)

 

Proschim, den 02. November 2020

 

Zuerst hielt ich sie für eine seltsame Hummel: Dick, schwarz und behaart saß sie auf einer Stufe der Treppe, die zum Boden führt. Ein kurzer Lichtstrahl ließ plötzlich einen ihrer Flügel wunderschön blauviolett schimmern. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht gesehen. Meine Neugier war geweckt:

Es ist eine "Große Blaue Holzbiene" auch "Blauschwarze" oder "Violettflüglige Holzbiene", die da auf unserem Boden höchstwahrscheinlich den Winter verbringen will.

Diese wärmeliebende, große Wildbienenart ist in Süd- und Mitteleuropa heimisch.

Bis in die 1980er Jahre war sie in Deutschland nur aus der Oberrheinebene bekannt. Seit 2003 besiedelte sie erfolgreich weitere Regionen in Deutschland. Voraussetzung waren hohe Jahresmitteltemperaturen sowie eine relativ hohe Sonnen-scheindauer. Aufgrund der Klimaerwärmung ist sie inzwischen weit verbreitet. Den ersten Nachweis in Sachsen gab es vermutlich 2005.

Wir haben sie mit einem Klecks Honig - zur Stärkung - in den Winterschlaf geschickt. Na dann: Wir sehen uns im nächsten Frühling!

 

Proschim, den 16. Oktober 2020

Einige werden es schon wissen, allen anderen sei erzählt, dass ich, ge-meinsam mit meinem Mann Alexander Tetsch, in der Lausitz ein kleines Restaurant betreibe:

Unser "Schmeckerlein"!

Ab Oktober empfangen wir unsere Gäste in zwei gemütlich eingerichteten Räumen und servieren Schmorgerichte vor dem Kachelofen.

Wir lieben den Herbst! Zu dieser Jah-reszeit können wir so richtig aus dem vollen Angebot der Natur schöpfen, sei es nun bei der Tischdekoration oder in der Küche:    

                                                                                           www.schmeckerlein.de/auf-dem-teller/

 

Für die Blumendekoration der Tische, die immer frisch daher kommt, habe ich neben Rosmarin auch Zieräpfel, Minigurken, Hagebutten und kleine Kürbisse verarbeitet.

 

Proschim, den 01. Oktober 2020