Willkommen auf meinem Blog!

Es ist kein Geheimnis: Ich liebe es, zu schreiben und ich liebe es, draußen zu sein. In Feld, Wald und Garten gibt es so viel zu entdecken. In einer Rezension zu meinem ersten Kinderbuch "Alte Geheimnisse und andere Geschichten vom Lande" stand:

"Mit viel Begeisterung für die Natur und viel Liebe für das Detail beobachtet Sybille Tetsch ... die kleinen, leisen und unscheinbaren Dinge, die sich im Wandel der Jahreszeiten in einem Garten am Dorfrand abspielen."

 

Ja, es sind die kleinen und leisen Dinge, die mich faszinieren. Warum? Ich glaube, weil es die Dinge sind, die nichts kosten, die wir jeden Tag haben können, um uns daran zu erfreuen und die wir doch viel zu oft mit Füßen treten.

Entdeckt diese Dinge für Euch, lernt, sie wieder neu zu sehen und zeigt sie Euren Kindern, denn nur was man liebt, das achtet und bewahrt man.

 

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Stöbern auf dieser Seite!


Gartengeschichten oder Garten und Geschichten

Proschim, den 28. Juni 2021

 

Der Amselhahn sitzt an diesem warmen Abend wieder hoch oben auf Nachbars schütterer Tanne und singt aus voller Brust. Er genießt, wie ich, die letzten Sonnenstrahlen. Beim abendlichen Gang durch den Garten konnte ich nicht widerstehen. Und so wanderten einige Blütenbälle der Strauchhortensie "Annabell", ein paar noch grüne Brombeeren und Hagebutten der Wildrose "Multiflora" in mein Körbchen.

Die Blütenbälle der Hortensien kann man gut zerteilen und muss für Kränze nicht den ganzen Strauch plündern. Als Unterlage für die unterschiedlich großen Kränze habe ich entblätterte Hopfenranken ineinander verwunden. Und ganz nebenbei fielen auch noch männliche Hopfenblüten für die Kränzchen an.

Mit Bindedraht werden dann kleine Sträußchen der Beeren und Blüten abwechselnd und überlappend an der Unterlage befestigt.

 

 

Ich wünsche Euch allen eine wunderbare Sommersonnen-Wendezeit. Und vielleicht sind die Kränze Anregung, es selbst zu versuchen.

Wenn sie Euch gefallen, freue ich mich, wenn Ihr sie pint.


Proschim, den 22. Juni 2021

 

In meinem Garten wachsen überall Erdbeeren: als Bodendecker vor den Hecken, in den Blumenrabatten, zwischen den Rosen und natürlich auch auf einem großen Beet im Nutzgarten. Ich liebe es, beim Gießen oder Unkrautjäten, beim Streifen durch den Garten oder beim Planen neuer Beete Erdbeeren zu naschen.

 

 

Beim Pflücken denke ich immer an die Geschichte von der Schalmai und dem Krüglein. Könnt Ihr Euch erinnern?

Ein Mädchen geht mit seiner Familie in den Wald, um dort Walderdbeeren zu sammeln. Es findet es mühsam und beschwert sich, weil sich die Erdbeeren unter den Blättern verstecken. Ein kleines Männchen bietet ihr im Tausch gegen ihr Krüglein eine Schalmai. Bläst das Mädchen auf dem Instrument, recken sich die kleinen roten Früchte weit über die Blätter in die Höhe. Doch wohin soll das Mädchen die gepflückten Früchte nun legen? Ihr Krüglein hat das Männchen mitgenommen ...

Mir hat noch niemand so ein Instrument angeboten. Und so muss ich mich bücken und unter die Blätter schauen. Am Ende ist aber auch meine Schüssel voll.

Schließt Eure Augen! Könnt Ihr ihn riechen? Diesen unverwechselbaren Duft, wenn Erdbeeren kochen? Mit einem Spritzer Zitrone und Gelierzucker ist das Herstellen von Erdbeermarmelade ein Kinderspiel. Es ist die schönste Art, den Sommer einzufangen: In einem Glas Erdbeermarmelade!

 

 

 

Und wer die Marmelade nicht nur auf dem Brot mag, der kann sie auch einmal mit Nudeln probieren:

 

100 g Penne nach Packungsanweisung kochen. 100 g Erdbeeren putzen und in Scheiben schneiden. Für die Sauce 3 EL Balsamico mit 2 EL Wasser, 50 g Erdbeermarmelade und eine Prise Pfeffer aufkochen. Erdbeeren unterrühren, eine Minute köcheln lassen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Nudeln auf einen Teller anrichten, Sauce darüber geben und mit 50 g geriebenen Käse bestreuen. Abschließend mit frischen Basilikumblättern garnieren.

Lasst es Euch schmecken!

 


Proschim, den 13. Juni 2021

 

Es ist immer noch heiß! Die Sonne brennt und seit Tagen klettern die Temperaturen verlässlich auf über 35° Celsius. Es gibt nur noch eine Tätigkeit im Garten, die zu tun ist: gießen!

Das Trinkwasser läuft aus Schläuchen, weil uns der Bergbau unser Grundwasser, das in den Erzählungen der Alten in Bächen und Oberflächengewässern plätscherte, unter den Füßen wegpumpt. Und manchmal, wenn ich mich frage, ob der Aufwand den Nutzen rechtfertigt, wenn ich zweifle und nach dem Sinn suche, dann gibt es etwas oder jemanden, der mir zeigt, wofür sich die Mühe lohnt.

In meinem Fall war es heute ein kleiner Gartenrotschwanz - ich verzichte bewusst auf die Genderform, falls es eine SIE war, bin ich sicher, sie fühlt sich einbezogen -.

Der kleine Vogel genoss es sichtlich, vor der Kamera zu posieren. Von vorn und hinten oder doch lieber seitlich...? Besser auf der alten Gießkanne mit dem Kaskaden-Thymian oder lieber in der Weidenblättrigen Birne?

 

 

Und dann gibt es noch meine neuen Freunde. Die zierliche Hildi, das scheue Paulchen II und der selbstbewusste Weißnase, die als Streuner ab und an vorbeischauten und eine kleine Gabe erbaten.

Ich habe sie eingefangen und im Tierheim kastrieren lassen. Nun haben sie beschlossen, in meinen Garten heimisch zu werden oder zumindest regelmäßig vorbeizuschauen.

Ich finde es sofort gemütlich, sobald eine Katze in der Nähe ist.

 

 

Die frechen Spatzen lebten schon lange im großen Forsythienstrauch. Seitdem die Hühner da sind, warten sie all morgendlich am Frühstücksbüffet und holen sich ihre Portion Körnerfutter.

 

 

Es piepst und tschilpt und gackert und krächzt - die Frage nach dem Sinn stellt sich nicht (mehr).

Ich wünsche Euch allen einen wunderbaren Tag!

 


Proschim, den 20. Mai 2021

 

Die Gartensaison ist schon lang eröffnet, die Abende sind nicht mehr so kühl und mit einer Jacke kann man durchaus eine Mahlzeit unter blühenden Apfelbäumen genießen. Bei uns singt die Nachtigall in der nahen Gestrüpphecke und ihre wunderbaren Konzerte begleiten den Abendschmaus.

Aber nicht nur ich, nein, alle meine Freundinnen haben einen schönen Garten und ab Anfang Mai erhalten wir regelmäßig Einladungen. Ich bedanke mich dafür gern mit einer Kleinigkeit und freue mich, wenn ein Lächeln über das Gesicht der Gastgeberin huscht.

In diesem Jahr habe ich Samenherzen hergestellt. Sie werden mit dem Samen nach oben in einen Topf oder in die Gartenerde gelegt, mit 1 cm Erde bedeckt, angegossen und feucht gehalten.

 

Ich habe nur Samen verwendet, die von Pflanzen mit essbaren Blüten stammen. So werden zukünftige Salate auch zum „Augenschmaus“.

 

 

 

Und so stellt Ihr ein Samenherz her:

Unlackiertes Bastelpapier (1) wird klein geschnitten oder gerissen (2) und mit reichlich Wasser etwa eine Stunde lang eingeweicht (3).

Mit einem Pürierstab die Papierschnipsel zerkleinern (4). Danach das Wasser durch ein Küchensieb ablaufen lassen. Mit den Händen die Masse ausdrücken (5 und 6).

Auf einem Tisch ein Handtuch mehrfach gefaltet legen. Ich habe vom Plätzchenbacken Herzausstecher für meine Samenherzen gewählt. Der Fantasie sind aber keine Grenzen gesetzt. Auf das Handtuch den Ausstecher legen und ein paar Samen einstreuen (7). Nun die Papiermasse dünn darauf verteilen und mit dem Finger fest andrücken. Versucht, so viel wie möglich an Wasser auszudrücken, das im Handtuch aufgesaugt wird (8). Nun vorsichtig das Herz aus der Form drücken und auf einem extra Handtuch mindestens über Nacht trocknen lassen. Meine Herzen sind etwa 0,5 cm dick geworden und mussten, da ich noch zu viel Wasser in der Papiermasse hatte, etwas länger trocknen.

Viel Spaß beim Basteln und Verschenken!


Proschim, den 16. Mai 2021

 

Neben dem Juni ist der Mai der schönste Monat im Jahr, finde ich. Es grünt in allen Farbtönen und -schattierungen: hellgrün, gelbgrün, silbergrün, blaugrün... - mein Wortschatz reicht gar nicht aus, um die Grüntöne zu beschreiben.

Genießt den schönen Sonntag mit zwei Sträußen aus meinem Garten!


Proschim, den 02. Mai 2021

 

"Nur, wenn der Himmel weint, kann die Erde lachen." Und während gerade der erste Teil des türkischen Sprichwortes stattfindet, sitze ich am Schreibtisch. Viel Zeit zum Schreiben hatte ich in den letzten Tagen nicht. Ich freue mich über den leisen Landregen, der gerade über meinem Garten fällt und hoffentlich die Erde wieder lachen lässt.

Einen Garten am Rande eines aktiven Tagebaus zu gestalten, zeigt mir oft meine Grenzen. Neben vielen anderen Problemen, die ein Tagebau mit sich bringt, wie Lärm- und Staubbelastung oder fehlender Infrastrukturen, bedeutet das Fehlen von Grundwasser eine existenzielle Bedrohung vor allem für unsere alten Bäume. Und ich kann nichts tun, als ihnen beim Sterben zuzusehen. Die letzten beiden heißen Sommer ließen nun auch noch den Boden von oben bis in tiefe Schichten austrocknen.

Diese letzten beiden Jahre haben mich immer trauriger, hoffnungsloser und niedergeschlagener gemacht.

Nun, hier im Garten ist aber auch der Ort, wo ich als kleiner Mensch die Möglichkeit habe, selbst zu gestalten und die Natur als Natur zu bewahren. Der Garten ist der Ort, wo wir alle den Anfang oder den Unterschied machen können. Durch diesen Gedanken beflügelt, habe ich den Entschluss gefasst, meinen Garten fit für den Klimawandel zu machen. Ob dies gelungen ist, werden nachfolgende Generationen beurteilen müssen. Aber auch dieser Gedanke ist spannend.

In manchen Momenten wird mir in meinem Garten klar, wie klein der Mensch doch ist. Und dieser Moment fühlt sich gut und richtig an.

 

 

Bleiben wir bei den Sprichwörtern, diesmal ist es ein afrikanisches: "Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Der zweitbeste ist jetzt."

Aber zuerst müssen die toten und kranken entfernt werden. Zugegeben, es sind Nadelbäume wie die Fichte, die eigentlich nicht hier her gehören, aber trotzdem sind es grüne Lungen, die Wohnstätte, Nahrungslieferanten oder Obdach für andere waren. Und es wird Jahre dauern, bis neue Bäume ihre Höhe erreicht haben und die Lücken gefüllt sind.

Und nun? Welche Bäume und Sträucher sind geeignet, um zukünftige Stürme, Wasserknappheit und Hitze zu ertragen?

 

Zuerst habe ich nachgesehen, was von selbst wächst: Flieder, Ahorn und Esche. Danach habe ich mich für alte, fast vergessene, heimische Gehölzen wie Elsbeere oder Haferschlehe entschieden.

Drei andere robuste Schönheiten, die in den Garten Einzug gehalten haben sind der Amberbaum (Liquidambar styraciflua), eine Esskastanie (Castanea sativa) und die Weidenblättrige Birne (Pyrus salicfolius), die auch schon ihre Blüten geöffnet hat. Eine immergrüne Baummispel und die Kornelkische stehen noch in ihren Töpfen und warten darauf, die angefangene Hecke zu ergänzen.

Und zu guter Letzt dürfen natürlich die Wildrosen nicht fehlen. Die Hundsrose, die Rose Muliflora und die Hechtrose hatte ich schon im Garten. Nun ist auch noch eine Bibernell- oder Dünenrose hinzugekommen.

Der erste Sieger im Garten steht auf jeden Fall schon fest: Es ist die Artenvielfalt. Und ich hoffe sehr, dass nun noch mehr Hummeln, Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten zu Gast sein werden.

 


Proschim, den 03. April 2021

 

Nach den ersten warmen Tagen, die schon verführerisch lockten, weht heute ein eisiger Nordwind. Die Narzissen in ihren Osternestern lassen sich davon wenig beeindrucken. Und auch die Vögel zwitschern mit jedem Tag lauter.

 

 

Überall will es sprießen und wachsen.

Die Mirabellenbäume auf dem wilden Heckenweg haben sich mit ihren federleichten Blüten geschmückt, die sie in eine Wolke aus Marzipanduft hüllen.

Zum Platzen angeschwollen sind die dicken Knospen der Rosskastanie vor dem Haus. Und die Märzveilchen weben ihre Teppiche in blau, weiß und rosa. Ich liebe die Minis unter den Blumen. Schnell lassen sich mit ein paar Blüten zauberhafte kleine Sträußchen binden. Einfach in Omas altem Eierbecher arrangiert oder in der Schale des Frühstückseis bringen sie den Frühling auf jeden Tisch.

 

 

Für die Osterdekoration habe ich auch ein paar Eierschalen gesäubert. Innen einmal mit farblosem Nagellack ausgestrichen, halten sie auch problemlos das Wasser für ihre blumige Krone. Zusammen mit Wachteleierschalen, kleinen Deko-Eiern, Häschen und Moos ist der Tischschmuck im Handumdrehen fertig.

 

Ich wünsche Euch allen ein wunderbares Osterfest. Genießt den Frühling und bleibt gesund!

 


 

 

 

Ab Freitag, den 26. März 2021 ist es endlich so weit. Das Buch "Alte Geheimnisse und andere Geschichten vom Lande" ist dann wieder erhältlich und über diese Web-Seite zu bestellen.

 

Mehr unter Bücher.


Proschim, den 14. März 2021

 

Als ich Kind war, hatten wir Hühner - wie fast alle im Dorf. Sie waren nichts Besonderes. Am frühen Morgen wurden sie auf den Hof gelassen, wo sie scharrend nach Essbarem suchten, im Sand badeten und auf ihr Körnerfutter warteten. Wenn ich ehrlich bin, fand ich sie immer etwas einfältig.

Für das Futter bekamen wir im Gegenzug frische Eier, die wir gar nicht alle selbst verbrauchen konnten. Also wurden sie gesammelt, bekamen einen Stempel und am Montagnachmittag lief ich mit meinem Korb zur Sammelstelle im Dorf.

Bei uns war es üblich, dass die einzelnen Familien Zusatzbezeichnungen der jeweiligen Tätigkeiten, die sie ausübten, bekamen. Und so war ich also auf dem Weg zu Eier-Lehmann.

Jedes Ei wurde durchleuchtet, ob es nicht etwa angebrütet oder schlecht war. Ich fand das spannend. Fast annähernd so spannend wie die Gespräche der meist älteren Frauen, die sich auf einen Plausch bei Eier-Lehmann trafen.

Spannend war es auch, wenn ich nach dem Schlachten eines Huhnes den Magen öffnen durfte. Hühner besitzen keine Zähne. Ihr Magen ist mit Hunderten kleiner Steine gefüllt, die das Zermahlen der Nahrung übernehmen. Immer wünschte ich mir, zwischen den Steinen einen kleinen Schatz zu finden: Vielleicht ein Ringlein oder ein goldenes Steinchen? Heute muss ich darüber lachen.

Irgendwann kamen die Hühner dann wohl aus der Mode. Sie verschwanden aus dem Dorf und das ganz ohne Zutun von zugereisten Städtern, die sich über das frühmorgendliche Krähen der Hähne beschwert hätten.

All das ist lange her. Heute weiß ich, wie viele der Eier produziert werden, die wir im Supermarkt kaufen können. Ich weiß, was Kückenschreddern ist. Ich weiß um das Problem mit den Antibiotika. Und weil ich das alles nicht will und wir ein großes Grundstück haben, war der Entschluss schnell gefasst: Wir werden eigene Hühner halten.

Der neue Stall wurde in einen vorhandenen Schuppen integriert und der Auslauf mit einem "Rechen-Zentrum" kombiniert. Es sind noch sechs Tage, dann werden die neuen Bewohner einziehen. Seid gespannt auf Betty, Henny, Elly und Hanna, die gemeinsam mit Schorsch schon darauf warten, in die Lausitz zu ziehen.


Proschim, den 07. März 2021

 

Hatte ich im Dezember noch gemeint, dass bei uns der Winter verloren gegangen ist, war dieser Februar ein Februar! Er kam mit eisigem Atem und einem Mantel aus Schnee, der mit Eiskristallen gesäumt war. Wenn ich das Holz für unsere Kachelöfen holte, zwickten Temperaturen im zweistelligen Minusbereich in meine Finger und unter meinen Füßen knirschte der Schnee.

Ich liebe es, wenn es schneit. Es ist die Zeit der Stille, alles ist gedämpft. Die Welt kehrt sich nach innen und Träume und Rätsel schweben in der klaren Luft.

Nun klopft der Frühling an die Tür. Der Garten blinzelt schon, aber so richtig wach scheint er noch nicht zu sein. Noch traut er der Sonne nicht, ist auf der Hut vor kalten, sternenklaren Nächten.

Mutig trotzt eine kleine, weiße Blume dem kalten Wind. Ich liebe Schneeglöckchen! Zeigen sie doch, dass die Herrschaft Väterchen Frosts gebrochen ist. Und immer, wenn ihre Zeit vorbei ist, bin ich besonders traurig, denn ich weiß, ich muss wieder ein Jahr warten, bis die kleinen Glöckchen im Garten erscheinen. Wie viele von der begrenzten Anzahl der Jahre, die ich sie überhaupt sehen kann, sind schon vorbei? Bei keiner anderen Blume habe ich dieses Gefühl.

 

Am Tag scheint die Sonne und mich hält es nicht mehr in den vier Wänden. Die Ranken des wilden Weins eignen sich am besten, kleinen Darstellern eine Bühne zu bauen. Ohne Hilfsmittel halten die langen Triebe, zu einem Kranz gewunden, ganz von selbst. Trockenes Gras ergänzt das Rund und fertig ist die erste Frühlingsdeko.

Ob als Solist, mit Schnee, Primel, Schneeglöckchen oder Vögelchen, so ein Kranz macht immer eine gute Figur.

Auch Nester oder Kugeln können mühelos aus den Ranken hergestellt werden. Wie bei einem Wollknäuel wickelt ihr einfach so lange, bis die gewünschte Größe der Kugel erreicht ist.

Ich wünsche Euch allen einen wunderbaren Vorfrühling.


Proschim, den 27. Februar 2021

 

Die ersten Stare sind da! Zumindest habe ich heute die ersten gesehen.

Und mit ihnen ist die Zeit für eine neue Geschichte gekommen:

 

 

Der Star im Apfelbaum

 

Am Stamm eines alten Apfelbaumes hämmerte nun schon seit vielen Tagen ein junger Specht und sein Klopfen klang durch den ganzen Garten.

Viele Stunden hatte er Span um Span aus dem Holz geschält und dabei auch so manchen Wurm und einige fette Maden gefunden, die er sich sofort schmecken ließ. Aber eigentlich war es nicht das Futter, das ihn so unermüdlich arbeiten ließ - nein, er wollte eine Höhle bauen, die erste in seinem Leben. Mit dieser Wohnung wollte er eine Spechtfrau beeindrucken, die dann vielleicht zu ihm ziehen und mit ihm gemeinsam eine Familie gründen würde. Aber wenn man so manches Mal seine Pläne macht, kommt am Ende doch alles anders.

Warum nun der Specht im nächsten Frühjahr nicht in seine Wohnung zog? Ich weiß es nicht. Vielleicht fand die Spechtfrau sie zu klein oder unmodern, vielleicht gefiel sie dem Specht selbst nicht mehr - wer weiß? Auf jeden Fall stand sie einen Sommer lang leer und im Herbst fanden drei kleine Haselmäuse, dass man in der Apfelbaumhöhle schön zusammengekuschelt den Winter verschlafen könnte und als ich im nächsten Frühling eines morgens aus dem Fenster schaute, sah ich einen Star im Apfelbaum. Er war noch ganz müde und auch ein bisschen zerzaust von seiner Reise aus Italien, wo er den Winter verbracht hatte.

Er war ein lustiger Geselle und immer für einen Spaß zu haben. So hatte er sich in seinem Winterquartier die Zeit damit vertrieben, verschiedene Klingeltöne von Mobiltelefonen auswendig zu lernen und damit seine Lieder zu bereichern. Viele Menschen blickten erstaunt in Richtung Dach, wenn sie meinten ihr Telefon hätte sich gemeldet.

Dieser Star nun war auf dem Apfelbaum mit der leerstehenden Wohnung gelandet. Neugierig warf er einen Blick in die Höhle und fand, dass es nicht viel bedurfte, um sie wohnlich zu machen. Er hatte nicht viel Zeit, denn mit jedem neuen Tag konnte seine Frau ankommen. Sie hatte sich etwas verspätet, was aber nichts ausmachte. Er wusste genau sie würde ihn finden.

Und richtig. Am Mittag des übernächsten Tages saß ein zweiter Star in der noch lichten Krone. Überschwänglich begrüßte der Starenmann seine Frau und ließ, wie er fand, ein besonders schönes Handyklingeln für sie ertönen. Sie lachte und schüttelte den Kopf: „Мit dir gibt es doch immer eine Überraschung! Ich danke dir für die nette Begrüßung, aber ich finde deine alten Lieder viel schöner.“ Er war nicht etwa gekränkt, sondern schmetterte aus voller Brust das Lied, bei dem sie sich kennen gelernt hatten. Allerdings konnte er es sich nicht verkneifen, einen kleinen Handy-Klingel-Triller anzuhängen. Sie musste so sehr lachen, dass sie fast vom Baum gefallen wäre - na ja, warum nicht.

Nachdem sie noch eine Weile zusammen gesessen, Neuigkeiten ausgetauscht und sich hin und wieder zärtlich berührt hatten, war die Zeit gekommen, die neue Wohnung anzusehen.

Der Starenmann war sehr fleißig gewesen und hatte Moos und Federchen gesammelt, um die Höhle schön behaglich zu machen: Seine Frau war begeistert.

An den folgenden Tagen habe ich die Starenfrau nur selten gesehen. Seine verrückten Lieder dagegen klangen durch den ganzen Garten, wenn er auf dem Ast neben dem Höhleneingang saß und seiner brütenden Frau etwas vorsang.

An einem Mittag, als die Starenfrau von einem kurzen Flug, auf dem sie einen kleinen Imbiss eingenommen hatte, zurückkam, wunderte sie sich sehr. Sah nicht ein Ei etwas anders aus als die anderen? Und überhaupt, war es nicht ein Ei mehr als vorher? Sie fragte ihren Mann, aber der meinte nur: „Вesser eins zu viel als eins zu wenig!“ Und damit war das Thema für ihn erledigt.

Nach einiger Zeit vernahm ich, wenn ich ganz dicht am Stamm des alten Apfelbaumes stand, ein feines Piepsen und Wispern.

Nun konnte man die Stareneltern geschäftig hin und her fliegen sehen. Von morgens bis abends waren sie unterwegs um Futter in die kleinen Schnäbel zu stopfen. Immer seltener erklang das Handyklingeln vom Apfelbaum - es war einfach keine Zeit.

Eines der Küken schien größer zu sein als die anderen und es schien auch schneller zu wachsen. Ob das etwas mit dem komischen Ei zu tun hatte? Dieses Küken nun brauchte viel Platz und da es schon größer und kräftiger war als seine Starengeschwister warf es kurzer Hand eines nach dem anderen aus der Wohnhöhle hinaus. Sicher denkst du jetzt, das ist traurig, aber in der Natur ist das nun einmal so.

Die Stareneltern waren so beschäftigt den dicken, runden Kerl mit Futter zu versorgen, dass sie gar nicht mitbekamen, was sich da für ein Drama abspielte.

Das Einzelkind wuchs und wuchs und wuchs und als eines morgens die dicke graugestreifte Katze am Apfelbaum vorbei kam, traute sie ihren Augen kaum: Im Eingang der Spechthöhle saß ein kugelrunder Jungvogel, der schon größer als seine Eltern war, und ließ sich einen Leckerbissen nach dem anderen in den weit aufgerissenen Schnabel schieben. Langsam kamen den Eltern wohl Zweifel wen sie da aufgezogen hatten, es fehlte aber die Zeit um lange darüber nachzudenken.

Am letzten Dienstag machte der junge Vogel einen unbeholfenen Hopser, breitete die Flügel und landete auf dem nächsten Ast. „Kuckuck, Kuckuck, Kuckuck“, rief er stolz. „Was ist das denn für ein sonderbares Lied?“, fragte der Starenmann seine Frau. Müde zuckte sie mit den Flügeln. „Vielleicht ist es ja doch unser Kind. Die musikalische Begabung hat es jedenfalls von mir“, sagte der Starenmann und ließ einen lauten Handy-Klingel-Trillerton erklingen. Ein leiser Zweifel aber blieb.

 

Du musst wirklich nicht traurig sein! In jedem Jahr kommt das Starenpaar zu seinem Apfelbaum und brütet in der Spechthöhle. Jetzt passen sie besser auf, dass ihnen nicht wieder ein Kuckuckskind untergeschoben wird. Viele kleine Starenkinder sind in der Spechthöhle im alten Apfelbaum schon auf die Welt gekommen.

 

Die Geschichte stammt aus meinem 1. Kinderbuch: "Alte Geheimnisse und andere Geschichten vom Lande". Diese Ausgabeist leider vergriffen. Die Illustrationen im Buch sind von Friederike Kohnke.

Ab dem 26. März wird es eine neue Auflage - diesmal mit wunderschönen Fotos - geben.


Proschim, den 10. Januar 2021

 

"Mein Dorf ist rund", tschilpte der Spatz auf dem Weg zu seinem zu Hause.

"Ein rundes Dorf, dass ich nicht lache", prustete die Taube. Wer hat denn so was schon gehört?"

"Du wirst schon sehen", antwortete der Spatz. "Die runden Dörfer sind die schönsten!"

 

Ach ja, ich liebe die Rundlingsdörfer im Wendland! Und wie Ihr sehen könnt, hatte ich beim Zeichnen tatkräftige Unterstützung durch Kater Felix.


Proschim, den 20. Dezember

 

Ihr Lieben, ich wünsche Euch einen wunderbaren 4. Advent.


Proschim, den 18. Dezember 2020

 

Mein Garten wartet seit Jahren auf die weiße Decke, unter der es sich gut schlafen lässt. Der Winter scheint bei uns verloren gegangen zu sein.

Trotzdem gehe ich jeden Morgen in den Garten, um die Vögel zu füttern.

Die Blumentöpfe habe ich mit einer Mischung aus Kokosfett und einem Streufuttermix gefüllt. Vor dem Einfüllen der noch warmen Masse habe ich einen Kokosstrick durch die Wasserablauföffnung des Topfes gezogen. Er dient oben, zur Schlaufe gelegt, zum Aufhängen des Topfes und unten als Landungshilfe für die gefiederten Freunde. Der Schmuck auf dem Topf ist mit der Heißklebepistole befestigt oder wurde am Strick festgebunden.

Das "Hundertwasser-Vogelhaus" ist aus Resten von Eichenbrettchen gebaut. Einen Bauplan gab es nicht, verwendet wurde alles, was sich in der Restholzkiste befand.

Den Futterdiamanten habe ich nach einer Anleitung in der aktuellen LandLust nachgebaut. Der Haselstrauch wächst direkt an der Hauswand und muss immer wieder zurückgeschnitten werden: Die Zweigstückchen waren perfekt zum Bauen.


Proschim, den 13. Dezember 2020

 

Der dritte Advent ist heute. Und während andere Orte im Schnee versinken, warten wir hier in der Lausitz noch auf den Winter.

Wer kennt sie noch, die Eisblumen? Diese wunderschönen Eiskristalle, die auf Scheiben einfach verglaster Fenster wuchsen, wenn die Raumluft kondensierte und es draußen klirrend kalt war.

Auf meinen Kerzengläsern habe ich auch Kristalle wachsen lassen. Sie schmelzen nicht in gemütlich warmen Stuben und auch die Kerzenflamme kann ihnen nichts anhaben.

Wie es geht? Ganz einfach: Ihr streut grobkörniges Salz auf den Grund des Glases, bedeckt dieses mit Wasser und stellt das Glas an einen warmen Ort, etwa das Fensterbrett über einer Heizung. Bei mir standen sie auf unserem Kachelofen. Nach einem Tag könnt ihr schon sehen, wie die Salzkristalle an den dünnwandigen Gläsern empor wachsen. Besonders eignen sich schmale, hohe Gläser. Bei Bedarf kann etwas Wasser nachgegossen werden. Viel Spaß!

 


Proschim, den 04. Dezember 2020
Geh in den Garten am Barbaratag.
Geh zum kahlen Kirschbaum und sag:
Kurz ist der Tag, grau ist die Zeit.
Der Winter beginnt, der Frühling ist weit.
Doch in drei Wochen, da wird es gescheh‘n:
Wir feiern ein Fest wie der Frühling so schön.
Baum, einen Zweig gib du mir von dir!
Ist er auch kahl, ich nehm‘ ihn mit mir.
Und er wird blühen in leuchtender Pracht
mitten im Winter in der Heiligen Nacht.“
- Josef Guggenmoos -

Proschim, den 26. November 2020

 

 

Wie wäre es mit einem Tipp für ein zauberhaftes Weihnachtsgeschenk?

 

Der kleine Rucksack hat die Maße 17 x 18 x 8 cm.

Er ist aus doppelt wattierter Bio-Baumwolle genäht und in drei Farben: rot-, blau- oder hell-grün-kariert erhältlich.

Durch verstellbare Träger kann er zum mitwachsenden Begleiter werden. Außerdem hat er eine eingenähte kleine Innentasche und wird über einen Klettverschluß geschlossen. Ent-standen ist er in der Nähstube eines Lausitzer Dorfes. Da jeder Rucksack ein Unikat ist, können kleine Abweichungen vom abgebildeten Muster auftreten. Einziger Wermutstropfen: Der Elefant kann nicht mitbestellt werden. Dafür kann aber jeder sein eigenes Kuscheltier mit auf Reisen nehmen.

 

Zu bestellen ist der Rucksack auf dieser Seite unter Kontakt. Er kostet 39,50 Euro.


Proschim, den 15. November 2020

 

"Immer weiter gingen die Erkundungsflüge der vier Freunde. Vergebens waren die Ermahnungen der Eltern.

„Flieg nicht so weit auf das Meer!“, sagten die Kräheneltern.

„Pass auf, dass du dich im Landesinneren nicht verirrst!“, ermahnten die Möweneltern.

„Warum musst du immer die sichere Stadt verlassen?“, wollten die Taubeneltern wissen.

„Dass du dir bloß nicht den Magen verdirbst, bei all den fremden Speisen“, waren die Spatzeneltern besorgt.

Doch all die Ermahnungen, Klagen und Sorgen verklangen fast ungehört. Die vier so verschie-denen Freunde lebten nach dem Motto: Wenn man einen Freund hat, bekommt man zu seiner Welt auch noch die des anderen geschenkt. Aber wir, wir sind sogar zu viert!

Vier Freunde, deren Welt größer und bunter und wunderbarer war, als wenn jeder unter seinesgleichen geblieben wäre."

 

So liest sich das Ende meines nächsten Buches. Ja, manchmal fange ich mit dem Ende an... Aber bis dahin bestehen die vier Freunde so manches Abenteuer. Seid gespannt!

Diesmal zeichne ich die Bilder zu den Geschichten auch selbst. Der Anfang ist gemacht!


Proschim, den 12. November 2020

 

Zeit für eine neue Geschichte? Auf geht`s:

 

Alte Geheimnisse

 

Es ist jetzt viele, viele Jahre her, da stand an eine alte Scheune gelehnt ein mächtiger Holunderbusch.

Im Winter, wenn der kalte Ostwind den Menschen die Tränen in die Augen trieb, sah er sehr hässlich aus: Seine krummen und rissigen Äste schienen so morsch, dass es aussah, als würden sie jeden Moment zu Boden stürzen. Schwarze Pusteln bedeckten die Rinde und niemand würdigte ihn eines Blickes.

Nun ist es aber so, dass der Winter nicht ewig dauert und kaum begann das Frühjahr, erwachte ein kleiner Geist, der im Holunder wohnte, aus seinem Winterschlaf. Wie sah er aus? Nun ja, genau kann ich es nicht mehr sagen, dazu ist das alles schon zu lange her. Auf jeden Fall hatte er graue Augen, eine kleine gerade Nase und er trug manchmal eine Mütze. Und er trug sie so, dass seine Ohren gerade noch unter dem Mützenrand hervorschauten.

Er wohnte noch nicht lange in dem Holunderbusch oder überhaupt auf der Erde. Kleine Geister sind viel unterwegs; mal hier, mal dort treiben sie Unfug und Schabernack bis sie alt genug sind, eine Aufgabe zu übernehmen.

Irgendwann bekommt jeder Geist in seinem Leben einmal Post. Manche Briefe sind in Sternen versteckt und wenn sie zugestellt werden, kann man das am Sternenschweif, der über den Himmel flitzt, sehen. Andere Briefe stecken in Wassertropfen, die ihrem Empfänger geradewegs auf die Nase fallen und wieder andere werden mit Blättern von Bäumen geweht.

Unserem kleinen Geist schwebte seine Post ans Schirmchen einer Pusteblume geknotet genau in den Schoß, als er überlegte, wie er den dicken graugestreiften Kater erschrecken könnte, der faul in der Sonne lag.

Sofort war der Kater vergessen. Neugierig öffnete er den Knoten und augenblicklich entrollte sich ein helles Blatt Papier.

Der Brief sah wunderschön aus, denn die Buchstaben schienen aus tausenden kleinen Blütensternchen des Holunders zusammengesetzt zu sein. Das war seltsam, hatte er doch gestern noch, als er durch das hohe Fenster schaute, die geraden Striche gesehen, mit denen die Kinder in der Dorfschule ihre Buchstaben an die Tafel malten.

Mühsam begann er die einzelnen Buchstaben zu entziffern; ach hätte er nur besser aufgepasst, als man es ihm erklärte. Endlich hatte er die einzelnen Buchstaben zu Worten zusammengesetzt und dann las er laut:

 

Es wohnt im Holunder die heilende Kraft,

die kranke Menschen gesund wieder macht.

Hilf' zu erhalten die alte Kunde,

trage sie weiter von Mund zu Munde!

 

Obwohl er die Worte mehrmals gelesen hatte konnte er sich keinen Reim darauf machen, und so zuckte er mit den Schultern und steckte das Stück Papier in seine Hosentasche. Was soll`s. Dafür war später noch Zeit.

Er sah sich um und entdeckte den immer noch faul in der Sonne dösenden Kater. Ganz langsam schlich er an ihn heran und zog ihn mit einem Ruck am Schwanz direkt aus seinen Träumen. Mit einem Sprung war der Kater auf allen seinen vier Pfoten, sauste über den Hof, sprang mit einem Satz auf das kleine Vordach und war sofort hinter der Tür mit dem Loch für die Katzen verschwunden.

Der kleine Geist hielt sich vor Lachen den Bauch. So viel Beweglichkeit hätte er dem Dicken gar nicht zugetraut.

Sein Blick blieb an dem alten Türchen über dem Vordach des Schuppens hängen. Was mochte sich wohl dahinter verbergen? Neugierig geworden kletterte er auf das Vordach und zwängte sich durch das enge Loch in die Dunkelheit.

Zuerst war es so finster, dass er die Hand vor Augen nicht sehen konnte, doch dann tauchten schemenhafte Umrisse auf: Durch eine kleine Dachluke sickerte etwas Tageslicht. Als sich seine Augen an die Dämmerung gewöhnt hatten, sah er sich in dem mit Spinnweben verhangenem Bodenraum um.

Überall standen alte Möbel, die schon lange unter Tüchern schliefen, altmodisch aussehende Mäntel hingen auf Kleiderbügeln an verrosteten Haken, eine alte Schultüte lag lieblos hingeworfen in einer Ecke und verstaubte Kisten stapelten sich an den Wänden. Zwischen zwei Regalen entdeckte er eine alte Decke - vielleicht der Schlafplatz des Dicken.

Vorsichtig tastete sich der kleine Geist im Zwielicht vorwärts. Man konnte schließlich nicht wissen, ob der dicke Kater nicht irgendwo hier auf der Lauer lag, um diesmal ihn zu erschrecken. Zum Glück war weit und breit nicht die kleinste Schwanzspitze zu entdecken.

Was mochte wohl in all den Kisten stecken? Neugierig hob er den Deckel der ihm am nächsten stehenden Kiste und kleine Staubwolken wirbelten auf: „Oh!“ - Sie war voller Bücher. Der kleine Geist nahm eines heraus und schlug es auf. Ein feiner Geruch von Gedrucktem und Papier stieg ihm in die Nase.

Langsam ließ er sich neben der Kiste nieder und begann, ein Buch nach dem anderen in die Hand zu nehmen. Es mussten hunderte von Büchern sein, wenn alle Kisten gefüllt waren: Da gab es Rittergeschichten neben Kochbüchern, Gedichtbände und dicke Märchenbücher, Romane und Bildbände, die von fernen Ländern erzählten.

Nanu, was war denn das? Vom Deckel eines sehr alten Buches schaute ihm das freundliche Gesicht einer alten Frau entgegen, um das die weißen Blütendolden des Holunders abgebildet waren. Darunter stand in merkwürdig altertümlichen Buchstaben: „Holunder – der Baum der Frau Holle.“

Was hatte denn Frau Holle mit dem Holunder zu tun? Der kleine Geist zog die Decke direkt unter die Dachluke und begann in dem Buch zu blättern. Schon auf der ersten Seite erfuhr er, dass der Holunder früher als Baum einer guten Göttin, nämlich der Frau Holle, verehrt wurde. Sie war der gute Geist, der Menschen und Vieh beschützte.

Seite um Seite blätterte der kleine Geist um und so verging Stunde um Stunde. Draußen setzte bereits die Dämmerung ein und selbst unter der Dachluke konnte man bald nichts mehr erkennen und dann fielen dem kleinen Geist die Augen zu.

Am nächsten Morgen, als ihn die ersten Sonnenstrahlen an der Nase kitzelten, wachte er mit einem Niesen auf und wusste sofort, warum er das Buch der Frau Holle gefunden hatte.

Von nun an konnte man in der Mittagszeit Weckgläser auf zwei Beinen über den Hof laufen sehen. Aus der Waschküche hinter dem Haus lieh sich der kleine Geist ein paar Holzklammern und im alten Schuppen mit den Gartengeräten fand er eine Rolle fester Schnur, mit der im Frühjahr die Gartenbeete abgesteckt wurden.

Die Schnur spannte er zwischen die Äste des Holunders und mit den Klammern befestigte er die schweren Blütendolden so, dass sie, vor Sonnenlicht geschützt, lustig wie die Wäsche im Wind trocknen konnten.

So füllte er nach und nach die Weckgläser mit getrockneten Blüten und später dann mit Beeren. Er schabte Stücke der Rinde ab, sammelte Blätter, kochte Saft ein und zerkleinerte sogar Wurzelteile, um sie dann in seiner Holunder-Apotheke in aufgereihte Gläser gefüllt, immer zur Hand zu haben.

Der Sommer verging. Die ersten Herbstnächte waren schon empfindlich kühl geworden doch der kleiner Geist war es zufrieden. Er hatte die letzten Monate nicht untätig verbracht. Viele Rezepte aus seinem Holunderbuch hatte er ausprobiert und dabei gelernt, wie man Kopf-, Zahn- oder Ohrenschmerzen lindern konnte. Einmal, als es besonders heiß war, lag er bei einem Glas erfrischender Holunderblütenlimonade im Schatten des großen Walnussbaumes und betrachtete schläfrig, wie die Hühner im Garten nach Würmern kratzten. Ein bisschen Muße hatte er sich schon verdient.

 

Nun war also der Herbst gekommen und mit ihm die ersten Frühnebel.

Hauke fühlte sich heute überhaupt nicht wohl. Schon den ganzen Tag hatte er dieses Kratzen im Hals und verspürte jetzt nicht einmal Lust, mit Jasper und Finn zum Fußballspielen zu gehen.

Seine Mutter sagte ihm, er solle sich hinlegen. Sie wollte ihm später einen Tee bringen und war in der Küche verschwunden, in der schon der dicke, graugestreifte Kater auf sein Mittagessen wartete.

Wenn ich nur wüsste, wie Oma den Fliedertee gemacht hat...... Wir Kinder mussten bei Husten einen ganzen Becher davon trinken und uns dann zum Schwitzen ins Bett legen“, Haukes Mutter stand in der Küche und überlegte laut. Der kleine Geist, der beim Stichwort Fliedertee wie gebannt stehen geblieben war, schob langsam die Tür zur Küche auf und späte hinein. Er sah noch, wie Haukes Mutter den Mantel vom Haken nahm und sich aufmachte, ein Mittel gegen Husten aus der Apotheke zu holen.

So schnell er konnte sauste der kleine Geist über den Hof. Aus seinem Buch wusste er, dass Fliedertee nur ein anderer, aber wie er fand, schönerer Name für Holundertee war. Mit ein paar Handgriffen hatte er den Tee schnell zubereitet und war noch vor Haukes Mutter zurück im Zimmer des Jungen.

Ganz leise, um den schlafenden Hauke nicht zu wecken, stellte er das Glas mit dem dampfenden Tee auf seinen Nachttisch und schlich sich auf Zehenspitzen zur Tür.

Als Haukes Mutter aus dem Dorf zurück war, wunderte sie sich sehr. Hauke jedoch trank den Tee und schlief sich ganz schnell gesund.

Und so ist es seither geblieben: Immer wenn im Dorf irgendwo auch nur ein leises Husten ertönt, steht auf wundersame Weise ein dampfendes Glas frisch aufgebrühten Holundertees auf dem Nachttisch.

 

Die Geschichte stammt aus meinem 1. Kinderbuch: "Alte Geheimnisse und andere Geschichten vom Lande". Diese Ausgabe ist leider vergriffen. Die Illustrationen im Buch sind von Friederike Kohnke.


Proschim, den 05. November 2020

 

Es ist an der Zeit, um wieder kreativ zu sein!

Die Saison der Pusteblumen ist in diesem Jahr eigentlich vorbei. Wirklich?

Ich denke, Pusteblumen kann man immer im Garten haben, oder? Alles, was Ihr braucht, um die Pusteblumensaison zu verlängern, ist Zeit, Draht, einen kleinen Styroporball und eine Zange. (Bild 1)

Für den Stiel der Schirmchen schneidet Ihr etwa 25 cm lange Stücke dicken Silberdrahtes zu. Das Schirmchen selbst besteht aus 0,37 x 170 mm Silberdraht verzinkt. Ich habe immer 24 dieser Drähte in der Mitte geknickt (Bild 2 und 3) und mit dem 25. zusammen gebunden (Bild 4). Ein wenig Geschick und Kraft benötigt man, um nun den Stiel an das Schirmchen zu winden (Bild 5). Nun nur noch die einzelnen Drähte auseinanderbiegen (Bild 6). Fertig ist das Schirmchen.

Ich habe die Styroporkugel, die einen Durchmesser von 5 cm hat, mit feinem Silberdraht umwickelt, sie dann mit Hilfe einer Heißklebepistole auf einem Eisenstab befestigt und die einzelnen Schirmchen, ebenfalls mit Hilfe der Heißklebepistole, in die Kugel gesteckt und befestigt.

Das Ergebnis kann sich doch sehen lassen, oder?


Proschim, den 02. November 2020

 

Wir haben seltsame Zeiten, die seltsame Worte hervorbringen. Im Moment gibt es einen LockDownLight. Für alle die, die jetzt zu Hause sind, weil die Kita geschlossen hat, oder weil sie einfach kleine Erzählungen mögen:

Hier eine Geschichte aus meinem 1. Kinderbuch: "Alte Geheimnisse und andere Geschichten vom Lande"

 

Winterschlaf

 

An einem Feldweg, direkt hinter Schmetterlingshausen, wuchs eine stolze Eiche. Sie war noch eine junge Eiche, denn sie zählte erst 54 Jahre. Das ist für Eichen gerade das Alter, in dem sie, wenn sie Menschen wären, zum ersten Schultag aufbrechen würden.

Diese Eiche nun hatte zwei Freunde, die schon viel in der Welt herumgekommen waren, wie es ihr schien. Der eine hieß Racko und war ein prächtiger Rabe mit pechschwarzem, glänzendem Gefieder und lustigen Augen, denen nichts entging. Er war etwas eitel und fand, er sei der schönste Rabe auf der ganzen Welt. Seine Frau Rabea lachte oft über ihn, aber im Grunde ihres Herzens wusste sie, dass sie niemals einen besseren Mann finden würde.

An einem windigen Abend im Spätherbst trug sich nun diese Begebenheit zu: Schon von weitem konnte die junge Eiche hören, dass sie bald Besuch bekommen würde. Der Wind trug ein lautes Krächzen zu ihr herüber und dann konnte sie Racko und Rabea auch schon sehen. Die beiden Raben spielten mit den Winden. Sie ließen sich von hoch oben fallen, stürzten senkrecht der Erde entgegen, um dann plötzlich die Flügel auszubreiten und sich empor tragen zu lassen.

Sie landeten auf den zwei äußersten Ästen der Eichenkrone und schaukelten übermütig, turnten und wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, dass Rabea sogar einen Umschwung um ihren Ast schaffte.

He, nicht so toll!“ klagte die kleine Eiche. „Ihr reißt mir ja jeden Ast einzeln ab. Der Sturm hat mich heute schon genug gezaust und geplagt.“ Sie klang etwas wehmütig und das wunderte die beiden Raben sehr, war sie doch sonst eine fröhliche Natur.

Warum so traurig?“, fragte Racko. „Wir wollten dir gerade das Neueste aus dem Dorf erzählen“, plapperte er weiter ohne auch nur auf eine Antwort auf seine Frage zu warten. „Stell dir vor“, sprach seine Frau, „die große Scheune hinter Lehmanns Kuhstall ist zusammengebrochen, hat wohl dem Sturm nicht mehr standgehalten. Sie haben gerade den grünen Trecker unter den Trümmern herausgezogen. Den kennst du doch! Lehmann braust doch hier immer vorbei, wenn er auf seinen Acker will.“

So, so...“, sagte die kleine Eiche nur.

Sogar Tom und Max hat das Getöse vom Stoppelfeld gelockt. Sie wollten gerade ihre neuen Drachen ausprobieren. Du kannst dich sicher noch an sie erinnern: Im Frühling war es Tom,der hoch in deine Krone geklettert ist, weil er dachte, er könnte eine Wolke einfangen. Max musste fast die Feuerwehr holen, weil sein Freund sich nicht mehr herunter traute. Aber gemeinsam haben sie es ja dann irgendwie geschafft“, lachte Rabea. „Und zu Hause gab es mächtig Ärger, weil Tom sich seine Hose zerrissen hatte. Niemand von den Erwachsenen konnte verstehen, was sie mit einer Wolke wollten. Und überhaupt, alle haben über die Idee nur gelacht. Sie mussten sich lange Vorträge darüber anhören, dass man Wolken nicht einfangen kann. Na ja, noch einmal haben sie es jedenfalls nicht mehr probiert.“

Ja, ja....“, sagte die kleine Eiche.

So ein stolzes Gebäude war die Scheune und so groß; mindestens 130 Rabenschritte lang. Vom Dach hatte man einen guten Überblick über den ganzen Hof. Vielleicht war sie ja einfach nur müde, die alte Scheune“, meinte Racko.

Мüde...“, seufzte die kleine Eiche.

Ja, ja niemand hat sich mehr richtig gekümmert; das Dach hatte schon lange ein großes Loch und die alte Schmiede wurde auch nicht mehr benutzt. Früher, ja früher, als der Vater vom alten Lehmann noch seine Spargelfelder mit den Pferden bearbeitete, da wurde das Schmiedefeuer oft angezündet. Kleine Teile für den Hof hat er noch selbst hergestellt und die Pferde mussten auch beschlagen werden. Hufnägel für die Eisen brauchte man, damit die Pferde nicht lahmten.“

Und es gab Heu als Futter für die Tiere; der ganze Dachboden lag voll“, ergänzte Rabea. „Als sie die Kühe abschafften, brauchte man sich nicht mehr um Futter zu kümmern und der Boden mit dem alten Heu war nur noch Schlafplatz für die dicke graugestreifte Katze. Außerdem soll es wunderbar geduftet haben, wenn Oma Lehmann die riesigen Kuchenbleche mit dem selbstgebackenen Hefekuchen zum Abkühlen auf den Heuboden stellte“, schwärmte sie weiter.

Opa Lehmann hat mit kleinen Reisigbunden den Backofen angeheizt und dann haben die Frauen den leckersten Pflaumenkuchen gebacken. Ob sie die Reisigbündchen wohl unter dem ganzen Schutt noch hervorholen wollen?“, schaute Rabea ihren Mann fragend an. „Ach, wozu denn das noch? Den alten Backofen hat doch auch schon seit Jahren niemand mehr benutzt. Jetzt kommt der Bäcker doch mit seinem neuen Auto ins Dorf gefahren und verkauft Brot und Kuchen“, Racko zuckte mit den Schultern.

Auf einmal schauten sich die Raben verwundert an. Warum sagte die kleine Eiche nichts? - Eingeschlafen war sie. Und sie würde den ganzen Winter über schlafen. Sie würde nicht merken, wenn der Schnee sich auf ihre Zweige legte. Erst im Frühling, wenn die Sonne wieder höher am Himmel stand, würde das Vogelgezwitscher sie wecken.

Schlaf gut!“, sagte Rabea und streichelte zärtlich mit der Flügelspitze über den Ast auf dem sie saß. „Träum schön! Und wenn du wieder aufwachst, sind wir da und erzählen dir das Neueste aus dem Dorf. Vielleicht wird ja im Frühling eine neue Scheune gebaut.“ „Wenn die kleine Eiche so alt wird wie ihre Großmutter, dann wird sie noch vieles mehr kommen und gehen sehen.“ Mit diesen Worten erhob sich Racko in die Luft um im Dorf nicht zu verpassen, wie es jetzt weiterging. Nach einem kurzen Zögern folgte Rabea ihm, nicht ohne noch einmal nach der kleinen Eiche gesehen zu haben.

 

Die Geschichte stammt aus meinem 1. Kinderbuch: "Alte Geheimnisse und andere Geschichten vom Lande".


Proschim, den 16. Oktober 2020

 

Zuerst hielt ich sie für eine seltsame Hummel: Dick, schwarz und behaart saß sie auf einer Stufe der Treppe, die zum Boden führt. Ein kurzer Lichtstrahl ließ plötzlich einen ihrer Flügel wunderschön blauviolett schimmern. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht gesehen. Meine Neugier war geweckt:

Es ist eine "Große Blaue Holzbiene" auch "Blauschwarze" oder "Violettflüglige Holzbiene", die da auf unserem Boden höchstwahrscheinlich den Winter verbringen will.

Diese wärmeliebende, große Wildbienenart ist in Süd- und Mitteleuropa heimisch.

Bis in die 1980er Jahre war sie in Deutschland nur aus der Oberrheinebene bekannt. Seit 2003 besiedelte sie erfolgreich weitere Regionen in Deutschland. Voraussetzung waren hohe Jahresmitteltemperaturen sowie eine relativ hohe Sonnen-scheindauer. Aufgrund der Klimaerwärmung ist sie inzwischen weit verbreitet. Den ersten Nachweis in Sachsen gab es vermutlich 2005.

Wir haben sie mit einem Klecks Honig - zur Stärkung - in den Winterschlaf geschickt. Na dann: Wir sehen uns im nächsten Frühling!


Proschim, den 01. Oktober 2020

 

Ich liebe den Herbst! Zu dieser Jahreszeit kann ich so richtig aus dem vollen Angebot der Natur schöpfen, sei es nun bei der Tischdekoration oder in der Küche. 

Für meine Blumendekoration habe ich neben Rosmarin auch Zier-äpfel, Minigurken, Hagebutten und kleine Kürbisse verarbeitet.